„Patient braucht Lufthoheit über seine Daten“

„Patient braucht Lufthoheit über seine Daten“

Von |2019-04-12T11:11:22+00:00April 12th, 2019|Unkategorisiert|0 Kommentare

„Die Digitalisierung im Gesundheitswesen bietet viele Chancen, um Therapien im ambulanten und stationären Sektor zu verbessern, sie werden auch hinlänglich genannt. Wir müssen jetzt raus aus der abstrakten Formulierung der Chancen – und anfangen, diese operativ zu organisieren“, betonte Bernd Altpeter, CEO der Digitalen Gesundheitsgruppe (DGG), auf dem „Salut! Gesundheitskongress“ in Saarbrücken am 11. April. Beim Satellitensymposium „Datenflut – Datenschutz – Cyberkriminalität: Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung im Gesundheitswesen“ pflichtete Moderator Prof. Heinz Lohmann bei: „ Wir müssen Chancen der Digitalisierung ganz konkret aufzeigen, um den Menschen zu demonstrieren, was für sie drin ist. Der Patient hat die Möglichkeit, die Wissensasymmetrie zu seinen Gunsten zu verschieben.“ Neben Bernd Altpeter waren Dr. Lutz Hager, Geschäftsführer der IKK Südwest, Dr. Thilo Kaltenbach, Senior Partner Pharma & Healthcare der Roland Berger GmbH sowie Bernhard Stöcker, Informatiker am Uniklinikum des Saarlandes, als Referenten dabei. Das Symposium wurde vom Uniklinikum des Saarlandes und VAMED Deutschland organisiert.

Bernd Altpeter skizzierte, wie die DGG die digitale Diabetesversorgung mit TeLiPro, der zentralen Disease Management Plattform für chronische Erkrankungen, in den Markt gebracht hat – und dabei besonderen Wert auf das Rechtemanagement legt. Die Rolle und Rechte des Patienten ist dabei besonders wichtig. Altpeter: „Der Patient braucht die Lufthoheit über seine Daten, das ist vollkommen klar. Er muss entscheiden können, wer sie einsehen darf.“ Grundsätzlich sei die Datenflut durch die Digitalisierung „mehr Chance als Risiko“. Beispiel TeLiPro: Kernstück der Plattform ist das persönliche Gesundheitscoaching, da der Lebensstil ein großer Treiber für chronische Erkrankungen ist. Der Patient übermittelt über bluetoothfähige Devices, wie Waage, Blutzuckermessgerät und Activity Tracker, seine Vitaldaten unmittelbar in das Portal. Diese Daten bilden dann die Grundlage für das individuelle Coaching zu Themen wie Ernährung, Bewegung und Motivation. Durch die enge Begleitung wird die Adhärenz der Patienten gestärkt, die Behandlungslücke zwischen den Arztbesuchen geschlossen. „Diese Echtzeitdatenverwertung führt erwiesenermaßen zu einem deutlich besseren Outcome“, so Altpeter. Da die Plattform direkt beim behandelnden Arzt angedockt ist, kann dieser den Patienten gezielter als bisher im Behandlungsalltag steuern.

Das Podium war sich einig, dass innovative Lösungen vorhanden und marktfähig sind – Deutschland aber aufpassen muss, den Anschluss im internationalen Wettbewerb nicht zu verlieren. „Start-ups werden hierzulande nicht durch mangelnde Kreativität oder Engagement ausgebremst, sondern durch den Faktor Zeit und die langen Wege durch die Regulatorik des Gesundheitssystems“, konstatierte Prof. Lohmann. Dr. Kaltenbach verwies auf die Studie „Gesundheitsmarkt 4.0“: „Die Menschen sind deutlich weiter, als das System. Der digitale Wandel verläuft zu langsam und wir müssen aufpassen die Digitalisierung nicht zu verschlafen“. Laut Altpeter müssen dafür digitale Lösungen und die hohe medizinische Kompetenz in Deutschland kombiniert werden. „Wir brauchen innovative, digitale und zugleich evidenz-basierte Geschäftsmodelle, die wie TeLiPro einfach skaliert werden können. Damit würden wir wesentlich zur Therapieoptimierung beitragen.“